Medizin der Zukunft: Resilienz, moderne Analytik und personalisierte Krebstherapie
Am 21.08.2026 fand an Deck der MS Wissenschaft, einem Schiff mit interaktiver wissenschaftlicher Ausstellung, die Veranstaltung „Leibniz debattiert: Medizin der Zukunft“ statt. Vor rund 80 Gästen gaben drei Wissenschaftler Einblicke in Forschung zu Resilienz und Prävention, moderner Analytik im Einsatz der Diagnostik und personalisierter Krebsmedizin.
Prof. Dr. Klaus Lieb, wissenschaftlicher Geschäftsführer vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) gGmbH, sprach zum Thema „Prävention statt Reparatur – warum Resilienz die Medizin der Zukunft prägt“. In seinem Vortrag erläuterte er den Wandel von reaktiver Medizin hin zu präventiver Medizin und dessen Bedeutung für unsere Gesellschaft. Die Zukunft der Medizin setzt stärker auf Prävention und Früherkennung statt auf die Behandlung von Krankheiten. Hierbei kann die Resilienzförderung eine zentrale Rolle spielen, da ca. ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland im Laufe ihres Lebens mindestens einmal unter einer psychischen Erkrankung leidet und diese zur allgemeinen Krankheitslast beitragen kann. Für die Zukunft der Resilienzförderung präsentierte er die Entwicklung neuer Gesundheitstechnologien. Diese könnten anhand verschiedener biologischer und verhaltensbezogener Signale in Kombination mit Selbstberichten Stressreaktionen frühzeitig erkennen und individuelle Unterstützung zur Stressbewältigung anbieten.
Prof. Dr. Albert Sickmann, Vorstandsvorsitzender vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS – e. V., gab in seinem Vortrag „Krankheiten früher erkennen – wie moderne Analytik die Medizin verändern wird“ Einblicke in die Entwicklung und Optimierung moderner analytischer Technologien in der Gesundheitsforschung. Dies sei sowohl für die Prävention, als auch für die Diagnostik und die personalisierte Medizin von besonderer Bedeutung, um die Präzisionsmedizin weiterzuentwickeln und die Lebensqualität von Patient:innen zu verbessern. Professor Sickmann hob die bereits heute große Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) als Unterstützung für die Auswertung großer Datensätze in diesem Feld hervor, die in Zukunft noch größer werden wird.
Prof. Dr. Thomas Kindler, Leiter des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) der Universitätsmedizin Mainz, sprach in seinem Vortrag „Krebs gezielter behandeln – Perspektiven der personalisierten Onkologie“ über die personalisierte Behandlung von Krebserkrankungen. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Krebspatient:innen auf konventionelle Therapien ausreichend anspringen. Durch personalisierte Therapeutika können Tumore spezifischer behandelt werden. Hierbei spielt die Untersuchung der Tumorgenetik eine besondere Rolle. Die Analyse des Erbgutes eines Tumors ermöglicht in einigen Fällen die Entwicklung personalisierter Therapien. Professor Kindler stellte eine aktuelle Studie zu personalisierten Impfungen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs vor, die nach der Entfernung des Tumors verabreicht wurden, wodurch das Rückfallrisiko deutlich gesenkt werden konnte.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Initiative „Leibniz Health and Prevention“ vorgestellt. Mit ihr bündelt die Leibniz-Gemeinschaft ihre interdisziplinären Kompetenzen in den Bereichen Gesundheitsforschung, Prävention und Früherkennung, um innovative Lösungen für die gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis zu stärken.